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Pseudokrupp & Epiglottitis
 
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Pseudokrupp
(Pseudokrupp = stenosierende Laryngitis = stenosierende Laryngotracheitis)
Der Pseudokrupp ist relativ häufig bei kleinen Kindern, weniger in küstennahen Gebieten.
Typisch für die Unterscheidung zu anderen Atemwegserkrankungen und für die schnelle Diagnose im Rettungsdienst ist die Frage an die Eltern: 'hustet das Kind wie ein Hund?', 'ist es ein bellender Husten?'.
Da auch ein verschluckter Fremdkörper die Ursache der Atemnot sein kann, aber eine Racheninspektion bei der naheliegenden Differentialdiagnose der Epiglottitis zu einem reflektorischen Atemstillstand oder Herzstillstand führen kann, ist die Unterscheidung zwischen Pseudokrupp und Epiglottitis im Rettungsdienst besonders wichtig. Eine Racheninspektion sollte nur auf der Intensivstation in Intubationsbereitschaft erfolgen. Eine weitere Differentialdiagnose ist die sehr, sehr seltene Kehlkopfdiphtherie, welche besonders durch die aphonische Stimme gekennzeichnet ist.

Merke: Bei Verdacht auf Epiglottitis keine Mund - oder Racheninspektion!

 
Differentialdiagnose Pseudokrupp - Epiglottitis
Symptome  Pseudokrupp  Epiglottitis 
Stimme heiser kloßig
Husten bellend meist keiner
Fieber leicht > 39-40 °C
Speichelfluß kaum sehr stark
Schluckstörung keine meistens
Halsschwellung wenig meistens stark
allgemeiner Infekt häufig meist keiner bekannt
Beginn langsam plötzlich
Risikofaktoren Pseudokrupp Epiglottitis
Alter (1.)-3.-(7.) Lebensjahr
viraler Krupp: 1/2 - 3 Jahre
bakterieller Krupp: 2-6 Jahre
'spasmodic' Krupp: 2-6 Jahre
('spasmodic' Krupp: allergisch)
2.-6. Lebensjahr
Jahreszeit besonders Herbst ganzes Jahr
Tageszeit besonders abends und nachts ganztags
Rezidive häufig selten


 
Einteilung und Therapie des Pseudokrupp im Rettungsdienst
Grad Symptome Therapie
I Heiserkeit, bellender Husten, leichter inspiratorischer Stridor,
keine Atemnot,
Kind und Eltern beruhigen!, frische (kühle) Luft, 
ins Badezimmer und Dusche kalt laufen lassen,
Cortison rektal,
II Heiserkeit, bellender Husten, deutlicher inspiratorischer Stridor,
leichte Atemnot, eventuell leichte Einziehungen,
Kind und Eltern beruhigen!, frische (kühle) Luft, 
ins Badezimmer und Dusche kalt laufen lassen,
Cortison rektal / Inhalation mit Epinephrin (=Adrenalin),
kontinuierliche Pulsüberwachung (Pulsoximeter o. EKG)
III deutliche Atemnot, starker Stridor, Einziehungen, (Tachykardie),
Unruhe, (eventuell bellender Husten),
Kind und Eltern beruhigen!, frische (kühle) Luft, 
Inhalation mit Epinephrin (=Adrenalin) / Cortison rektal,
kontinuierliche Pulsüberwachung (Pulsoximeter o. EKG)
IV Zyanose, deutliche Atemnot, sehr starker Stridor, Einziehungen, Tachykardie,
Kind sehr schlaff, eventuell Bewußtseinsstörung, 
(bellender Husten und  Unruhe zumeist nicht mehr vorhanden),
Kind und Eltern beruhigen!, 
Inhalation mit Epinephrin (=Adrenalin), Cortison rektal,
Sauerstoff, frische (kühle) Luft, 
kontinuierliche Pulsüberwachung (Pulsoximeter o. EKG)

Wichtig ist die Änderung der Reihenfolge in der Therapie mit zunehmendem Schweregrad.
Bei Grad I+II steht das Beruhigen des kleinen Patienten und der Eltern(!) im Vordergrund, die therapeutischen Maßnahmen werden 'wie ein Spiel' mit dem Kind vereinbart und durchgeführt.
Bei Grad III+IV ist ruhiges, aber konsequentes Handeln erforderlich, die Inhalation mit Epinephrin über Maske steht als erste therapeutische Maßnahme im Vordergrund. Falls kein Pulsoximeter mit Kindersensor vorhanden ist, bietet sich zur Überwachung der Herzfrequenz das EKG an. Grad III+IV sind auch immer eine Notarztindikation, der gegebenenfalls sofort nachgefordert werden sollte.
 
Eine Ausnahme betreffend der Sicherheitsvorschriften beim Transport im Rettungswagen ist oft hilfreich.
Der körperliche Kontakt des Kindes mit einer Bezugsperson bei Pseudokrupp ist schon die halbe Therapie.
Eine Trennung Kind <-> Bezugsperson (z.B. Kind extra angeschnallt im Autokindersitz) verschlimmert meist nur die Atemnot.
Ebenfalls zum Transport im Rettungswagen gehört natürlich die eigene Puppe oder der eigene Teddybär.


 
Therapie der Epiglottitis im Rettungsdienst
Der Verdacht auf eine Epiglottitis (kloßige Stimme, starker Speichelfluß) ist immer eine Notarztindikation!
Die Therapie im Rettungsdienst bei Verdacht auf Epiglottitis erfolgt symptomatisch. Wie beim Pseudokrupp ist das Beruhigen des Kindes und der Eltern wichtig. Auf keinen Fall darf eine Mund - oder Racheninspektion im Rettungsdienst durchgeführt werden, ausgenommen es besteht der begründete Verdacht auf einen Fremdkörper als Differentialdiagnose. Auch dann sollte im Rettungsdienst nur eine Inspektion ohne Hilfsmittel (d.h. ohne Holzstäbchen, ohne Mundspatel) sehr vorsichtig und spielerisch durchgeführt werden. Die Sauerstoffapplikation sollte, wie auch sonst bei Kindern, nur mit Maske erfolgen. Bei Zweifeln an der Diagnose Epiglottitis ist bei Verdacht auf Pseudokrupp eine vorsichtige Epinephrininhalation im Rettungsdienst vorzunehmen.
Vorrang hat in jedem Fall aber das zügige Erreichen (d.h. mit Blaulicht) der nächsten Klinik.

 
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Autor: Dr. med. M. Eckert, München
 
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